1.
Das von einem Objekt kommende Licht wird von den Sehzellen im Auge
in elektrische Signale umgewandelt und dann zum Sehzentrum im Gehirn
geschickt. Dort werden die elektrischen Signale in ein Bild umgewandelt.
Sie sehen zum Beispiel diesen Text eigentlich in Ihrem Gehirn. Wer
aber ist es dann, der das Bild dieses Textes im Gehirn sieht und
wahrnimmt? Wie definieren Sie das Bewusstsein, das dieses Bild in
Ihrem Gehirn sieht, ohne dass es dazu ein Auge braucht?
2.
Das Gehirn ist ein Fleischklumpen, der aus Lipiden, Proteinen und
verschiedenen anderen Molekülen besteht. Kann das Bewusstsein,
das dieses Bild sieht, dieser Fleischklumpen sein? Oder können
die Gehirnzellen ein Bewusstsein entfalten, das diese elektrischen
Signale als einen Seeblick oder als E-Mail Nachricht sieht?
3.
Kein Licht kann durch den Schädel dringen, was bedeutet, dass
das Gehirn in völliger Dunkelheit liegt. Wie kann also dann
ein helles, klares Bild an diesem stockdunklen Ort geformt werden?
Wie können die Strahlen der Sonne in der unbeleuchteten Hirnrinde
gesehen werden?
4.
Kein Ton dringt ins Gehirn. Es existiert in absoluter Stille. Trotzdem
hören die Menschen all die verschiedenen Geräusche in
ihrem Gehirn. Die Schallwellen werden im Ohr in elektrische Signale
umgewandelt und dann ins Hörzentrum übertragen. Das Bewusstsein
im Inneren des Gehirns hört diese dann zum Beispiel als Melodie.
Doch wer ist es, der der lauten, aus starken Lautsprechern kommenden
Musik zuhört, und wie geschieht das?
5.
Das Bild wird in einem winzigen Areal im Gehirn geformt. Doch wie
entsteht das dreidimensionale Bild mit seiner räumlichen Tiefe
auf diesem winzigen Schirm? Wenn ich zum Beispiel auf den Horizont
oder in den Himmel schaue, wie entsteht ein solches Bild mit seiner
enormen Raumtiefe in diesem winzigen Areal des Sehzentrums, ein
Bild, das praktisch identisch ist mit seinem Original?
6. Jemand der behauptet, dort draußen
gebe es ein Auto und er sehe es, sollte die folgenden Fragen beantworten:
• Das Bild des Autos wird im Sehzentrum des menschlichen Gehirns
geformt, das nur ein paar Kubikzentimeter groß ist. Wenn das
Bild eines einige Meter langen Autos in dieses kleine Areal passt,
müsste dann das Sehzentrum nicht mindestens die Größe
des Autos haben?
• Wenn aber das Sehzentrum des Gehirns mehrere Meter groß
wäre, müsste dann das menschliche Gehirn nicht riesig
dimensioniert sein, entsprechend der Größe dieses Areals?
• Wenn das menschliche Gehirn solch einen enormen Raum einnehmen
würde, müsste dann der menschliche Körper nicht kilometerlang
sein entsprechend der Größe seines Gehirns?
Hier sprechen wir über jemanden, der nur ein Auto sieht. Stellen
wir uns dieselbe Situation vor für jemanden, der auf ein Tal
blickt, dass sich kilometerweit erstreckt. Wenn dieser Mensch nun
behauptet, das wirkliche Tal zu sehen, dann müsste das Sehzentrum
seines Gehirns mindestens mehrere Kilometer groß sein. Dementsprechend
müssten sein Gehirn, seine inneren Organe, Arme und Beine gigantische
Dimensionen aufweisen.
Da dies aber nicht der Fall ist, ist es dann nicht irrational zu
behaupten, es existierten ein mehrere Meter langes Auto, ein langes,
weites Tal und der Mensch habe es mit den Originalen dieser Materie
zu tun?
7. Wenn jemand ein Glas Wasser sieht,
sieht er tatsächlich nicht dessen reale Gestalt, sondern nur
ihre Kopie davon in seinem Gehirn. Die Kälte, die er fühlt,
wenn er die Oberfläche des Glases berührt, ist nicht die
wirkliche Kälte des Glases, sondern nur eine Kopie davon. Das
bedeutet, es ist niemandem jemals möglich zu fühlen, dass
er das wirkliche Glas berührt, weil es nicht seine Finger sind,
die die Berührung empfinden, sondern lediglich der Tastsinn
in seinem Gehirn. Sollten wir daher nicht schlussfolgern, dass die
Menschen niemals in der Lage sein werden, die Realität von
Objekten zu erfahren, dass sie niemals die Realität eines Glases
berühren können? Doch nicht jeder Mensch weiß um
diese Tatsache. Jeder glaubt, er sehe und fühle reale Objekte.
Ist es nicht seltsam, dass die Menschen sich dessen nicht bewusst
sind und niemals darüber nachdenken?
8.
Nichts verändert sich, wenn ein Mensch von einem Bus überfahren
wird oder einem Löwen begegnet. Denn genau wie das Bild des
Busses, das Gefühl des Aufpralls oder die Furcht bei der Flucht
vor einem Löwen entsteht auch alles andere in unserem Gehirn.
Wenn ich einen Bus sehe, sehe ich ihn im Sehzentrum meines Gehirns.
Wenn ich die Tür des Busses anfasse, fühle ich die Kälte
des Metalls in meinem Gehirn. Ich kann diese Tatsache also nicht
unterscheiden von dem was passiert, wenn ich den Schmerz fühle,
wenn mich ein Bus anfährt oder ein Löwe mich beißt.
Ist es dann nicht sehr unlogisch, wenn Menschen sagen “Es
zeigt, dass ich in Kontakt mit dem Bus oder dem Löwen bin,
weil ich Schmerz empfinde, wenn der Bus mich anfährt oder der
Löwe mich beißt?“
9. Wir verbringen unsere gesamte Lebensspanne
in unserem Gehirn. In ähnlicher Weise haben wir auch Träume
in unserem Gehirn. Wenn wir zum Beispiel im Traum ein Stück
Eis anfassen, fühlen wir, dass es nass und kalt ist. Wenn wir
an einer Rose riechen, nehmen wir ihren wunderbaren Duft war. Wir
empfinden Furcht, Schmerz, Sorgen und Schrecken in ähnlicher
Weise. Sind dann Träume und das reale Leben in diesem Sinn
dasselbe?
10.
Der eigene Körper gehört ebenfalls zu den Bildern, die
man sieht. Der Mensch sieht nur die Kopie seines eigenen Körpers.
Das heißt, jeder Mensch verbringt sein gesamtes Leben in der
Höhle seines Schädels, von der aus er niemals erkennen
kann, was außerhalb vorgeht, einschließlich seines eigenen
Körpers und anderer Objekte. Nun denken Sie über all dies
noch einmal nach: Sind Sie jetzt gerade in dem Zimmer, in dem Sie
sich befinden oder befindet sich das Zimmer in Ihnen? Ist die zweite
Möglichkeit nicht die richtige wissenschaftliche Antwort?
11.
Stellen wir uns fünf Menschen vor, die auf einen Rosengarten
blicken. Da jeder den Rosengarten in seinem eigenen Gehirn sieht,
gibt es dann nicht fünf verschiedenen Rosengärten in den
Gehirnen jedes einzelnen dieser fünf Beobachter? Ist die rote
Farbe, die jeder von ihnen sieht, identisch mit der Rotwahrnehmung
der anderen Beobachter? Gibt es eine Möglichkeit, dies zu vergleichen?
12.
Wir sagen, dass die Originalobjekte, von denen wir in unserem Gehirn
Kopien sehen, außerhalb existieren. Was aber, wenn außerhalb
nichts existiert? Wir haben keine Möglichkeit, das herauszufinden.
Ist es dann nicht zweifelhaft, dass die Originalobjekte überhaupt
existieren? Zumindest gibt es nur eine Wahrscheinlichkeit von 50
Prozent. Wie können wir also sicher sein, das die Originalobjekte
existieren? Wenn sie nicht existieren, was verursacht dann die Bilder
und Gefühle in unserem Gehirn?
13.
Wenn unser Leben eine Illusion ist, mit der Möglichkeit, dass
es eine äußere Realität überhaupt nicht gibt,
dann könnte unsere Existenz sich an einem ganz anderen Ort
befinden. Ist es zum Beispiel nicht möglich, das die gesamte
Menschheit auf einem Kristall existiert? Oder ist es nicht möglich,
das die gesamte Menschheitsgeschichte stattfand an einem Ort, nicht
größer als ein Stecknadelkopf? Gibt es irgendetwas, das
uns daran hindern könnte, in solchen Dimensionen zu denken?
14. Einige Menschen zeigen außerordentliche
Furcht, wenn solche Themen diskutiert werden. Was glauben Sie, kann
der Grund dafür sein?
Kommentare einiger Wissenschaftler und Denker,
denen Fragen über die wahre Natur der Materie gestellt wurden
Vielen Dank für Ihre E-Mail und
ihren interessanten Inhalt. Ich fand Ihre Fragen sehr interessant.
Ich kann keine wissenschaftlichen Antworten auf Ihre Fragen geben,
aber ich muss sagen, dass ich viel lernte, indem ich sie las. Danke
dafür, dass Sie mir geschrieben haben und ich werde Ihre Fragen
mit einigen Wissenschaftlern teilen, um zu sehen, welche Antworten
sie geben werden. Mit den besten Wünschen und vielen Dank wieder.
Kofi Opoku
Alle Ihre Fragen und Beobachtungen sind ganz ausführlich
und treffen genau den Kern! Diese sind selbstverständlich Fragen,
die im Laufe der Geschichte ständig gestellt wurden, aber bis
zum heutigen Tag wurden sie nicht völlig gelöst. Tatsächlich
würden moderne Neurologie und Psychologie und sogar Philosophie
sich viel besser entwickeln, wenn ihre Forscher an diesen Fragen
so interessiert wären wie Sie. In Ihrer 13. Frage haben Sie
erwähnt, dass einige Menschen unglaubliche Angst haben, wenn
diese Themen behandelt werden. Sie haben Recht an mit dieser Feststellung.
Wenn Sie die Welt in der tatsächlichen Weise sehen, ist es
eine sehr sehr erschreckende Aussicht. Aber die Wahrheit ist immer
der Entdeckung wert, selbst wenn sie eine erschreckende Wahrheit
ist. Wie aus diesen Fragen ersichtlich ist, sind Sie ein sehr intelligenter
und gründlich nachdenkender Mensch. Seien Sie nicht verblüfft,
wenn viele Menschen nicht verstehen, wovon sie sprechen, sogar die
Philosophen können diese Themen nicht verstehen. Vielen Erfolg!
Prof. Steve Lehar
Sie haben viele interessante Fragen gestellt, die seit
Jahrhunderten die Philosophen beunruhigen. Zweifellos könnten
wir in der virtuellen Welt innerhalb eines Supercomputers leben
und wir könnten in diesem Fall den Unterschied nie begreifen,
wie es auch in den Filmen Tron oder die Matrix dargestellt wird.
Solange wie auch die "Naturgesetze" ein Teil dieser Programmierung
sind, können wir den Unterschied zwischen Wirklichkeit und
Illusion nie erklären, weil es keinen Unterschied gibt. Natürlich
haben viele Menschen Angst vor diesen Gedanken, weil diese ihre
Weltanschauungen bedrohen.
Jon Roland (Präsident und CEO des Vanguard Forschungsinstituts) |