Künstliche Welten

Die moderne Technik gibt uns heute viele Beispiele dafür, dass Wahrnehmungen ganz realistisch erlebt werden können, ohne dass "die Außenwelt" oder "Materie" existieren müssten. Insbesondere die Technologie der "virtuellen Realität", die sich in den letzten Jahren entwickelt hat, macht dieses Thema verständlich.

Virtuelle Realität heißt im weitesten Sinn, dass dreidimensionale Bilder, die in einem Computer generiert werden, den Menschen mit Hilfe verschiedener Geräte als eine "reale Welt" gezeigt werden. Diese Technologie, wird heute auf vielen Gebieten für unterschiedliche Zwecke verwendet. Die Begriffe "künstliche Wirklichkeit", "virtuelle Welt" oder "virtuelle Sphären" meinen alle dasselbe. Die wichtigste Eigenschaft der virtuellen Realität ist, dass eine Person, die ein spezielles Gerät benutzt, vermuten kann die Bilder, die sie sieht, seien real, sie wird durch diese Bilder fasziniert. Aus diesem Grund wird in den letzten Jahren vor den Ausdruck "virtuelle Realität" auch das englische Wort "immersive" gesetzt; dieses Wort bedeutet: "tief in etwas hineinziehen" (Immersive Virtual Reality).

Simulatoren, die für virtuelle Realität benutzt werden. Der Mann in der obigen Abbildung nimmt wegen der Geräte, die er benutzt an, dass er ein fließendes Wasser berührt. Die Menschen in der unteren Abbildung können sich selbst als die Helden eines Films sehen und sie werden aufgeregt durch das, was sie erleben.

Die Geräte, die benutzt werden, um eine virtuelle Welt herzustellen, sind Apparate wie der Datenhelm, der einen Bildschirm enthält, der Bilder bereitstellt und der Datenhandschuh, der die Tastempfindung zur Verfügung stellt. Eine Elektronik im Datenhelm überprüft ständig die Bewegungen und den Neigungswinkel des Kopfes zum Horizont, damit das Bild in der richtigen Position auf dem Bildschirm erscheint. Manchmal werden Stereobilder auf Wände und Boden eines Raums projiziert. Menschen, die in dem Raum umher wandern, können sich selbst durch 3-D-Brillen an den unterschiedlichsten Orten, wie an einem Wasserfall, auf dem Gipfel eines Berges oder an Deck eines Schiffes mitten im Meer sehen. Die Datenhelme erstellen dreidimensionale Bilder mit realistischer Tiefe des Raums. Die Bilder werden im Verhältnis zu menschlichen Proportionen zur Verfügung gestellt und durch Geräte wie dem Datenhandschuh wird der Tastsinn hergestellt. So kann die Person, die diese Geräte benutzt, Objekte in der virtuellen Welt berühren, sie in der Hand halten und ihre Positionen im Raum ändern. Die Töne, die man in einem solchen virtuellen Raum hört, können aus unterschiedlichen Richtungen kommen und aus unterschiedlichen Frequenzen bestehen, und sie wirken völlig real. In einigen Anwendungen kann dieselbe virtuelle Atmosphäre einigen Menschen an ganz unterschiedlichen Orten der Welt dargestellt werden. Auf diese Weise können beispielsweise drei Menschen, sich in verschiedenen Ländern befinden sehen, dass sie sich mit den anderen zur selben Zeit an Bord eines Motorboots befinden.

KÜNSTLICHE WELTEN

Mit fortschreitender Technologie werden Simulatoren auf vielen unterschiedlichen Gebieten eingesetzt. Indem man einen Datenhelm mit Spezialbrille und Datenhandschuhe trägt, kann man 3-D Bilder sehen und selbst innerhalb dieser Bilder agieren.


Autodesigner testen neue Automodelle in einem virtuellen Raum.


Ein anderes Feld, in dem diese Technologie verwendet wird, ist das Pilotentraining. Den Piloten, die in einem Flugzeug-Cockpit, das jedoch in einem Raum auf dem Boden installiert ist, sitzen, wird das Fliegen und Landen eines realen Flugzeugs täuschend echt simuliert.

Das System, das benutzt wird, um die virtuelle Welt herzustellen, ist im wesentlichen dasselbe wie das System, nachdem auch unsere fünf Sinne funktionieren. Durch den Effekt eines Gerätes innerhalb des Datenhandschuhs, der vom Benutzer getragen wird, werden Impulse an die Fingerspitzen gegeben und diese Impulse werden dem Gehirn übermittelt. Wenn das Gehirn diese Impulse interpretiert, hat der Benutzer den Eindruck des Berührens eines Seidenteppichs oder einer Vase mit einer rauhen Oberfläche, obwohl es keinen Seidenteppich und keine Vase gibt.

Einer der wichtigsten Bereiche, in denen virtuelle Realität eingesetzt wird, ist die Medizin. Mit einer Technik, die an der Michigan Universität entwickelt wurde, vollenden Medizinstudenten einen Teil ihrer Ausbildung in einem künstlichen Operationssaal. In dieser Anwendung werden auf die Wände und den Boden eines Raums die Bilder eines Operationssaals und in die Mitte des Raums die Bilder eines Operationstisches und eines "Patienten" projiziert. Indem sie 3-D-Brillen tragen, führen die angehenden Chirurgen an dem virtuellen Patienten eine Operation durch.


An der Michigan Universität werden angehende Chirurgen mit der gleichen Technologie in einem virtuellen Raum ausgebildet. Im Operationssaal in diesen Abbildungen ist alles, was Sie sehen, ausgenommen die drei Doktoren virtuell, auch der Patient ist virtuell. Mit Simulatoren führen die Medizinstudenten ihre ersten Operationen in einer virtuellen Umgebung an virtuellen Patienten durch.

VIRTUELLE OPERATION IN EINEM VIRTUELLEN OPERATIONS SAAL

An der Michigan Universität werden angehende Chirurgen mit der gleichen Technologie in einem virtuellen Raum ausgebildet. Im Operationssaal in diesen Abbildungen ist alles, was Sie sehen, ausgenommen die drei Doktoren virtuell, auch der Patient ist virtuell. Mit Simulatoren führen die Medizinstudenten ihre ersten Operationen in einer virtuellen Umgebung an virtuellen Patienten durch.

Diese Beispiele veranschaulichen, dass einer Person durch künstliche Reize eine irreale Welt als eine "tatsächliche Welt" gezeigt werden kann. Es ist ganz beachtenswert, dass einige berühmte Filme der letzten Jahre dieses Thema behandeln. In dem Hollywood-Film "Matrix" zum Beispiel sehen die zwei Helden des Films sich selbst an ganz unterschiedlichen Orten, wenn ihr Nervensystem an einen Computer angeschlossen wird, während sie beide auf einem Sofa liegen. In einer Szene sehen sie sich selbst, wie sie an fernöstlichen Sportarten teilnehmen und in einer anderen Szene spazieren sie in vollkommen unterschiedlicher Kleidung auf einer stark befahrenen Straße. Wenn der Held unter dem Einfluss seiner realistischen Erfahrung sagt, dass er nicht glaubt, dass diese Bilder durch einen Computer erstellt werden, wird das Bild durch den Computer gestoppt. Danach ist er davon überzeugt, dass die Welt, die er real zu sein glaubte, in der Tat nur aus Bildern besteht.

Im Prinzip ist es möglich, eine künstliche Welt mit Hilfe künstlich erzeugter Impulse zu schaffen. Dass diese virtuellen Bilder keinen Unterschied zu tatsächlichen Bildern aufweisen, wird von vielen Menschen eingesehen. Wir können also nicht behaupten, dass das "Live-Bild", das wir ständig sehen können, draußen materielle Gegenstücke hat und dass wir tatsächlich mit diesen materiellen Originalen konfrontiert sind. Denn unsere Wahrnehmungen können sehr wohl auch von einer künstlichen Quelle stammen.

Was uns die Hypnose zeigt

Eines der besten Beispiele für die Tatsache, dass durch künstliche Reize eine Welt hergestellt werden kann, ist die Technik der Hypnose. Während der Hypnose wird einer Person etwas suggeriert, und diese Person beginnt Ereignisse zu erleben, die von der Wirklichkeit nicht zu unterscheiden sind. Die Person sieht die Bilder, Menschen oder Aussichten, hört Töne, empfindet Gerüche und Geschmäcke, aber nichts davon existiert während der Hypnose. Die Person kann aufgrund der Erlebnisse die sie während der Hypnose erlebt, glücklich, traurig, aufgeregt, beunruhigt oder nervös sein. Der Effekt der Erlebnisse, welche die Person unter der Hypnose erlebt, kann auch äußerlich beobachtet werden. In tiefer hypnotischer Trance können bestimmte Symptome bei der hypnotisierten Person, wie erhöhter Puls und Blutdruck, Hautrötung, erhöhte Körpertemperatur und Schmerzlinderung beobachtet werden.18

In einem Hypnose-Experiment wird einer Person folgendes suggeriert: dass Sie sich in einem Krankenhaus befindet und es einen sterbenden Patienten im zehnten Stock des Krankenhauses gibt. Ihr wird suggeriert, der Patient könne gerettet werden, falls sie ihm auf dem schnellsten Weg die richtige Medizin bringt. Unter dem Einfluss der Indoktrination während der Hypnose glaubt sie, dass sie so schnell wie möglich mit der Arznei zum 10. Stock hinauf läuft. Die Person gerät dabei vor Anstrengung außer Atem und empfindet eine extreme Müdigkeit. Dann wird ihr erklärt, sie befände sich nun im zehnten Stockwerk, sie habe dem Patienten die Arznei gebracht und könne sich jetzt auf ein bequemes Bett legen. Sofort beginnt die hypnotisierte Person sich zu entspannen.19 Obwohl die Person unter Hypnose alle Ortsveränderungen und Ereignisse die ihr suggeriert worden waren, in ihrer ganzen Wirklichkeit erlebt hat, existierten tatsächlich weder das Krankenhaus, noch die Menschen und Ereignisse in ihm.

In einem anderen Experiment wird einem Menschen in einem Raum mit normaler Temperatur suggeriert, er sei in einem türkischen Bad und das Bad sei sehr heiß. Infolgedessen beginnt er zu schwitzen.20

Diese Experimente lenken unsere Aufmerksamkeit auf einen sehr wichtigen Punkt. Damit eine Person schwitzen kann, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Worauf wir in diesem Fall der Hypnose stoßen, ist, dass die hypnotisierte Person geschwitzt hat, obwohl es keinen körperlichen Faktor gibt, der sie dazu veranlasst hätte. Dieses Beispiel zeigt, dass die physische Existenz einer definierten Umgebung offenbar nicht notwendig ist, um sich in genau dieser definierten Umgebung zu wähnen. Ähnliche Effekte können durch künstliche Reize oder durch psychische Beeinflussung hervorgerufen werden.


Nachdem sie hypnotisiert wurde, stellt sich diese Person vor, dass sie sehr schnell 10 Treppen steigt. Danach ist sie atemlos und erschöpft. Die Person unter Hypnose lebt in einer Umgebung, die durch die hypnotische Suggestion erzeugt wird und nimmt an, die Umgebung sei real, obwohl ihr zuvor erklärt wurde, dass nichts davon tatsächlich existieren werde.

Der britische Facharzt für Hypnotherapie, Terence Watt, ein Mitglied vieler Organisationen einschließlich der Nationalen Hypnotherapie-Vereinigung, der Nationalen Vereinigung der Psychotherapeuten, des Zentrums der professionellen Hypnotherapeuten und des hypnotherapischen Forschungs-Verbandes erklärt in einem Artikel, dass manche Menschen, die sich unter Hypnose an ein vergangenes Ereignis erinnern, mit dem Ereignis zusammenhängende physiologische Veränderungen zeigen. Wenn zum Beispiel ein Zustand der Erstickung erlebt wurde, dann wird die Person unter Hypnose wieder atemlos, wenn sie sich daran erinnert, und es könnte sogar ein kurzzeitiger Atemstillstand eintreten. Watts gibt an, dass unter Hypnose sogar Fingerabdrücke auf dem Gesicht eines seiner Patienten erschienen, der sich an eine Ohrfeige erinnerte. Watts erklärt auch, dass dieses nichts Mysteriöses ist, sondern eine Reaktion des Körpers auf die Wahrnehmung des Schmerzens.21

Eines der auffallendsten Beispiele, die unter Hypnose beobachtet wurden, sind auf der Haut der hypnotisierten Person erscheinende Wunden. Paul Thorsen, ein Wissenschaftler, berührte den Arm einer Testperson unter Hypnose mit der Spitze eines Kugelschreibers Feder und erklärte ihr, es sei ein heißer Fleischspieß. Bald bildete sich genau an dem Punkt, an dem die Spitze des Kugelschreibers die Haut berührte eine Blase, wie sie durch eine Verbrennung zweiten Grades entstanden sein könnte. Thorsen versetzte eine andere Person in Hypnose und suggerierte ihr, dass der Buchstabe A unter starkem Druck auf ihren Arm gezeichnet werde. Obgleich gar nichts getan wurde, tauchte auf dem Arm eine Rötung in der Form eines "A" auf.22 Die Forscher H. Bourru und P. Burot suggerierten einer Person, man werde sie nun in den Arm schneiden, und zeichneten mit einem weichen Bleistiftnen Strich auf den Arm. Der Arm begann zu bluten.23


Es ist eine Tatsache, dass durch Hypnose einige Hautkrankheiten geheilt werden können. Auf den obigen Abbildungen sehen wir die Krankheit vor der Hypnose und nachdem die Person hypnotisiert und die Krankheit geheilt wurde. (D. Waxman, Hypnose, S. 113)

J. A. Hadfield erklärte einem Seemann unter Hypnose, er würde ihm nun einen heißen Eisenstab auf seinen Arm drücken und dass sein Arm an dieser Stelle verbrennen würde. Er berührte ihn jedoch nur leicht mit der Fingerspitze und legte anschließend einen Verband um den Arm. Sechs Stunden später, als der Verband abgenommen wurde, sah man, eine geringfügige, gerötete Schwellung. Hadfield gibt an, dass "am folgenden Tag die Schwellung größer wurde und wie eine Brandwunde aussah".24

Diese Veränderungen, die im menschlichen Körper während der Hypnose vorkommen, zeigen uns, dass wir die äußere Welt nicht benötigen, damit Empfindungen wie Sehen, Hören, Berühren, Schmerzen usw. gebildet werden können.

Diese Beispiele zeigen, dass eine bestimmte Wahrheit offensichtlich wird, wenn wir die Entstehung der Bilder innerhalb des Gehirns überprüfen und wenn wir sowohl technologischen Fortschritten folgen als auch Methoden der Indoktrination wie Hypnose diesem Wissen hinzufügen. Der Mensch nimmt an, dass er in einer Welt lebt, die außerhalb seines Körpers existiert. Jedoch alles, was wir als "die Welt" definieren, ist nichts anderes als die Interpretation der Impulse, die unsere Wahrnehmungszentren erreichen, im Gehirn. Das heißt, wir können niemals mit einer Welt konfrontiert sein, die anders ist als die Welt, welche wir innerhalb unseres Gehirns erleben. Wir können nie wissen, was außerhalb von uns geschieht oder existiert. Wir können auch nicht behaupten, dass die Quelle der Impulse, die das Gehirn erreichen, die materiellen Wesen sind, die draußen existieren. Heute ist dieses Thema eine Realität, die in wissenschaftlichen Büchern nachgelesen werden kann. Das einzige Problem besteht darin, dass die Menschen über diese Tatsache nicht sorgfältig nachdenken.


18. Dr. Muhterem Ercan, Hipnoz ve Hipnoterapi (Hypnose und hypnotische Heilung), Seha Verlag, Istanbul 1993, S. 32-34; William Kroger, Clinical and Experimental Hypnosis, http://www.lucidexperience.com/HypnoPapers/512.html
19. Dr. Tahir Özakkaþ, Gerçeðin Diriliþine Kapý HiPNOZ (The Door Opening to the Awakening of Reality: Hypnosis), "Üst Ultrastabilite"(Upper Ultrastability), Se-da Verlag, Bd. 1, 1. Auflage, S. 204-205
20. Dr. Tahir Özakkaþ, Gerçeðin Diriliþine Kapý HiPNOZ (The Door Opening to the Awakening of Reality: Hypnosis), "Üst Ultrastabilite"(Upper Ultrastability), S. 267
21. Terrence Watts, Abreaction, The psychological phenomena that hypnotherapists either love or hate, http://www.hypnosense.com/abreaction.htm
22. Dr. Recep Doksat, Hipnotizma (Hypnose), Kader Verlag, Istanbul, 1962, S. 106-108
23. Dr. Recep Doksat, Hipnotizma (Hypnose), S.106-108
24. Dr. Recep Doksat, Hipnotizma (Hypnose), S. 106-108